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5 min Lesezeit31. August 2026

Google Tag Manager: Tracking per Klick statt per Code

Google verschmilzt Tag und Tag Manager und führt visuelles Tagging ein. Was das für Kunden ohne eigene Entwickler wirklich bringt.

Google Tag Manager: Tracking per Klick statt per Code

Kennst du das? Ein Kunde schreibt dir am Montag: Der neue Anfrage-Button auf der Startseite soll als Conversion laufen. Technisch ist das eine Kleinigkeit. Trotzdem hast du am Donnerstag noch keine Daten, weil erst jemand gefunden werden muss, der an den Quellcode darf, und der hat gerade anderes zu tun. Wer kleine Kunden ohne eigenes Entwicklerteam betreut, kennt dieses Muster in- und auswendig. Genau dort setzt Googles aktuelle Umstellung von Tag und Tag Manager an.

Was passiert ist

Seit dem 20. August 2026 beschreibt Google in seiner Hilfe-Dokumentation drei Änderungen an der eigenen Tagging-Infrastruktur.

Erstens werden reine Google Tags zu vollwertigen Tag-Manager-Containern aufgewertet. Wenn auf einer Kundenseite bisher nur der schlanke Google Tag lief, bekommst du damit Oberfläche, Debugging und Versionierung dazu. Am Code auf der Seite ändert sich dafür nichts, das In-Page-Verhalten bleibt laut Google identisch. Ein Detail solltest du dir trotzdem merken: Neue Deployment-Snippets kommen ohne den gtag config-Befehl. Das Initialisierungsverhalten steuerst du künftig über den gtm init-Trigger, der sich bei Bedarf auch so setzen lässt, dass er auf den alten Config-Befehl wartet.

Zweitens rückt die Oberfläche zusammen. Ein zentraler Einstellungsbereich bündelt, was bisher über mehrere Stellen verteilt war. Seltener genutzte Funktionen wie Trigger, Variablen, Templates und Ordner wandern in einen einklappbaren Advanced-Bereich. Funktional geht dabei nichts verloren.

Drittens kommt visuelles Tagging, der eigentliche Kern der Neuerung. Du klickst Elemente direkt auf der Seite an, das System baut Selektoren und Trigger im Hintergrund selbst. Aktuell läuft das noch im Beta-Status für Kaufconversions in Google Ads. Weitere Anwendungsfälle sollen im Lauf des Jahres folgen. Alles, was darüber hinausgeht, bleibt vorerst Handarbeit.

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Schematische Darstellung, kein Screenshot: Element anklicken statt Selektor schreiben.

Google zieht das nach, was Meta schon lange macht

Wenn dir das bekannt vorkommt: Meta bietet mit dem Event Setup Tool im Events Manager längst genau das. Buttons oder Seiten-URLs auf der Live-Site anklicken, Standard-Events wie Purchase oder Lead ohne eine Zeile Code zuweisen, fertig. Wer schon einmal ein Pixel-Setup für einen kleinen Kunden gebaut hat, hat das Tool vermutlich benutzt.

Genau deshalb lohnt der Blick darauf, wie es Meta ergangen ist. Bei Single-Page-Apps, dynamisch nachgeladenen Inhalten, eingebetteten Checkouts und iframes ist die Klick-Auswahl unzuverlässig, also überall dort, wo moderne Website-Baukästen unterwegs sind. Über die Conversions API kann das Tool nichts schicken, und Meta hat es 2026 tiefer in die Einstellungen verschoben, während die eigene Guidance klar Richtung serverseitiges Tracking zeigt. Das Muster ist beide Male dasselbe: Der geführte Weg deckt den Standardfall ab, komplexe Setups jedoch nicht.

Was das praktisch bedeutet

Die brauchbarste Einordnung kommt von Matteo Zambon, GTM-Spezialist und Gründer von Tag Manager Italia. Seine Rechnung: Visuelles Tagging schließt die Lücke bei den einfachen 70 bis 80 Prozent der Fälle, also dort, wo zum Beispiel das Absenden eines Formulars schon die komplette Anforderung ist. Das ist eine Schätzung aus der Praxis, keine Google-Statistik, aber sie beschreibt gut, was bei kleineren Kundenkonten tatsächlich anfällt: ein Button-Klick als Lead-Ereignis, ein abgeschicktes Kontaktformular, ein Kaufabschluss auf einer Standard-Checkout-Seite. Für genau diese Fälle sparst du dir künftig den Umweg über einen Entwickler oder die manuelle GTM-Konfiguration mit CSS-Selektoren.

Interessanter ist der Rest, den Zambon gleich mitliefert. Ein Data Layer, der einen Theme-Wechsel überlebt. Serverseitige Setups auf Stape oder Cloud Run. Consent Mode v2, sauber verdrahtet mit einer echten CMP. Cross-Domain-Tracking, Shopify-Checkout, E-Commerce-Genauigkeit, und die ewige Frage, warum GA4 und CRM nicht zusammenpassen. Nichts davon löst du, indem du auf ein Element klickst. Wenn du also darauf hoffst, dass komplexe Setups künftig ganz ohne technisches Verständnis auskommen, musst du dich weiter gedulden. Realistisch ist eine Verschiebung, keine Ablösung: Der einfache Teil deiner Arbeit wird schneller, der komplizierte bleibt erst einmal unverändert.

Warum wir uns darauf freuen

Wir betreuen selbst eine ganze Reihe von Konten, bei denen das gesamte Conversion-Tracking aus zwei bis drei simplen Ereignissen besteht, unser eigenes eingeschlossen: Formular abgeschickt, Telefonnummer geklickt, Angebot angefordert. Kein Data Layer, kein serverseitiges Setup, keine lange Customer Journey. Klassisch für einen Handwerksbetrieb oder einen Dienstleister, der wissen will, wie viele Anfragen aus seinen Kampagnen kommen.

Für genau diese Konten ist die Umstellung ein echter Gewinn. Bisher hing bei so einem Wunsch alles daran, ob jemand Zugriff auf den Quellcode hat oder ob wir uns über Selektoren an ein Element hängen, das beim nächsten Website-Update wieder verschwindet. Wenn wir künftig ein Standard-Ereignis in wenigen Minuten selbst aufsetzen können, verschiebt sich unsere Zeit dorthin, wo sie mehr bringt: in Kampagnenstruktur, Gebotsstrategie und die Frage, ob die gemessenen Conversions überhaupt die richtigen sind. Bei den größeren Konten mit Shop, Consent-Setup und serverseitigem Tracking ändert sich dagegen erst mal wenig.

Für die Positionierung gegenüber Kunden ist das trotzdem ein starkes Thema. Gerade bei kleinen Websites ohne Entwickler war das Einrichten neuer Conversion-Ereignisse ein wiederkehrender Reibungspunkt. Es kostete Zeit und wurde deshalb selten priorisiert, obwohl ein sauberes Conversion-Tracking ein zentraler Punkt ist. Wenn ein Standard-Ereignis künftig in Minuten statt in Tagen steht, merkst du das im Alltag sofort an deiner Reaktionsgeschwindigkeit.

Was du tun kannst

Drei Schritte lohnen sich für deine bestehenden Kundenkonten, bevor visuelles Tagging in weiteren Anwendungsfällen ausgerollt wird.

Prüf deine Konten. Welche Kunden nutzen aktuell nur einen einfachen Google Tag ohne vollen Tag-Manager-Container? Genau diese Konten profitieren am unmittelbarsten vom automatischen Upgrade, und dort solltest du beim Optimierungs-Flow auch gleich die Berechtigungen kontrollieren.

Teste die Beta. Probier visuelles Tagging bei Kaufconversions in Google Ads aus, am besten an einem unkritischen Konto. So siehst du die Grenzen selbst, statt sie zu vermuten, und kannst Kunden gegenüber sauber argumentieren, was geht und was nicht.

Sortier deine offenen Tracking-Wünsche. Geh deine Liste bei Bestandskunden durch und markier, was davon reine Klick- oder Formularereignisse sind. Genau die werden künftig schneller umsetzbar, und du hast direkt eine Liste an schnellen Wins.

Fazit

Visuelles Tagging ersetzt kein technisches Verständnis im Tracking. Es nimmt dir den Teil der Arbeit ab, der ohnehin repetitiv war, und lässt dir mehr Zeit für den Teil, bei dem es wirklich auf Erfahrung ankommt. Für kleine Konten ohne Entwicklerressourcen ist das der größte Zeitgewinn seit Langem.

Noah Hermanns

Noah Hermanns

Gründer AdMemory

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